Nebenkosten bezahlt, trotzdem droht die Sperre: Was Mieter jetzt tun können

Du zahlst pünktlich, und trotzdem kommt die Sperrandrohung

Stand: 01.10.2026

Du überweist jeden Monat deine Miete samt Nebenkosten. Dann hängt im Treppenhaus ein Schreiben der Stadtwerke: Wasser, Gas oder Fernwärme sollen abgestellt werden, weil Rechnungen offen sind. Nicht deine, sondern die deines Vermieters. Die Stiftung Warentest hat im September über mehrere solcher Fälle berichtet, etwa aus Mülheim an der Ruhr, Bielefeld und Berlin. In Elsterwerda in Brandenburg hatten rund 60 Bewohner im Herbst 2025 über vier Wochen keine Heizung und kein warmes Wasser.

Wie oft das bundesweit passiert, weiß niemand genau, belastbare Zahlen gibt es nicht. Wenn es dich trifft, zählt aber jeder Tag, und es hilft, die Reihenfolge der nächsten Schritte zu kennen.

Erst klären: Wer ist Kunde beim Versorger?

Das ist die wichtigste Frage. Hast du einen eigenen Vertrag, etwa für den Strom in deiner Wohnung, hat dieser Vertrag mit den Schulden deines Vermieters nichts zu tun. Anders ist es bei allem, was über das ganze Haus läuft: Wasser, Zentralheizung, Fernwärme, oft auch der Strom fürs Treppenhaus. Hier ist meist der Vermieter Kunde der Stadtwerke. Du zahlst ihm die Kosten über die Nebenkosten, er reicht das Geld weiter. Oder eben nicht.

Bei Zahlungsrückständen kann der Versorger unter bestimmten Voraussetzungen sperren. Vorher muss er mahnen und die Sperre ankündigen, und sie muss im Verhältnis zur Schuld stehen. Welche Fristen und Schutzregeln genau gelten, hängt davon ab, ob es um Strom, Gas, Wasser oder Fernwärme geht. Lies das Schreiben deshalb genau, notiere dir den angekündigten Termin und lass prüfen, ob die Sperre überhaupt rechtmäßig ist.

Diese Schritte helfen, wenn die Sperre droht

  • Belege sichern: Fotografiere das Sperrschreiben und leg deine Kontoauszüge bereit, die zeigen, dass du Miete und Nebenkosten gezahlt hast.
  • Vermieter schriftlich auffordern: Schreib ihm, dass er die offenen Rechnungen begleichen soll, und setz eine kurze Frist. Am besten so, dass du den Zugang später nachweisen kannst.
  • Die Stadt einschalten: Die kommunale Wohnungsaufsicht kann eingreifen, wenn eine Wohnung ohne Wasser oder Heizung unbewohnbar zu werden droht. Je nach Ort heißt die zuständige Stelle anders, frag im Rathaus nach. In Berlin hat ein Bezirksamt 2025 angeboten, die Wasserabschläge für einen großen Wohnkomplex zu übernehmen, damit die Sperre ausbleibt. Eine Garantie, dass deine Kommune genauso handelt, ist das nicht.
  • Mit dem Versorger sprechen: Ruf an, schildere die Lage und frag, welche Lösungen es gibt.
  • Beratung holen: Der Mieterverein oder ein Anwalt für Mietrecht kann prüfen, ob eine einstweilige Verfügung gegen den Vermieter sinnvoll ist. Ein Gerichtsbeschluss bringt das Wasser allerdings nicht automatisch zurück. Ist der Vermieter zahlungsunfähig oder kaum greifbar, wird es schwierig, ihn durchzusetzen.

Notgemeinschaft und Mietminderung: Was geht und was riskant ist

Manche Hausgemeinschaften organisieren gemeinsam einen eigenen Vertrag mit dem Versorger. Das kann eine Sperre abwenden. Der Haken: Schließt du den Vertrag im eigenen Namen, schuldest du dem Versorger womöglich die gesamten Zahlungen, auch wenn Nachbarn ihren Anteil nicht leisten. Lasst deshalb vor einer Unterschrift klären, wer Vertragspartner wird und wer haftet, ob der Versorger mitmacht, ob ihr damit alte Schulden übernehmen würdet und ob ihr eure Zahlungen mit den Nebenkosten an den Vermieter verrechnen dürft.

Ist die Versorgung tatsächlich gekappt, hat deine Wohnung einen erheblichen Mangel. Dann kannst du die Miete mindern, wie stark, hängt vom Einzelfall ab. Eine bloße Androhung reicht dafür in der Regel nicht. Kürze die Miete nicht auf eigene Faust, sondern erst nach Rat vom Mieterverein. Behältst du zu viel ein, kann dein Vermieter das im schlimmsten Fall als Kündigungsgrund nutzen.

Auch mit rechtlicher Hilfe kann es dauern, bis Wasser oder Heizung wieder laufen. Ein Anwalt sagt in der Stiftung Warentest, Mieter kämen auf dem Zivilrechtsweg oft nicht weit. Thüringen will über den Bundesrat erreichen, dass es strafbar wird, wenn Vermieter die Nebenkosten ihrer Mieter bewusst nicht weiterleiten und damit eine Sperre in Kauf nehmen. Geltendes Recht ist das noch nicht. Bis dahin helfen dir vor allem schnelles Handeln und gute Belege. Sprich früh mit deinen Nachbarn und stimmt eure nächsten Schritte ab, gemeinsam habt ihr bei Stadt und Versorger mehr Gewicht.

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