Die erste Klassenarbeit ist schlecht ausgefallen. Und jetzt?
Stand: 13.10.2026
Rund eine Million Schülerinnen und Schüler in Deutschland bekommen Nachhilfe, vor allem in Mathe, Fremdsprachen und Deutsch. Nach einer schlechten Klassenarbeit wird schnell ein Vertrag unterschrieben, der später mehr kostet als gedacht. Kläre vor der Buchung vier Dinge: Was braucht dein Kind, passt die Lehrkraft, was kostet der Vertrag bis zum Ausstieg, und zahlt vielleicht der Staat.
Erst klären, was dein Kind wirklich braucht
Nicht jede schlechte Note macht Nachhilfe nötig. Fehlt Stoff nach einer Krankheit, reichen oft ein paar Stunden. Bei anhaltenden Lese-, Rechtschreib- oder Rechenproblemen hilft klassische Nachhilfe wenig. Lass dann fachlich abklären, ob dein Kind eine Lerntherapie braucht. Sprich zuerst mit deinem Kind und mit der Lehrkraft darüber, wo genau es hakt, und frag dein Kind, ob es die Hilfe will. Nachhilfe, die Eltern verordnen, bringt nach Einschätzung von Fachleuten wenig. Ein fester Testzeitraum, nach dem ihr gemeinsam entscheidet, nimmt vielen Kindern die Angst vor einer Dauerverpflichtung.
Welche Form passt, hängt vom Kind ab. Manche lernen gut in der Kleingruppe, andere brauchen Einzelbetreuung. Unterricht per Video ist meist günstiger und eignet sich laut NDR eher ab der fünften Klasse, wenn dein Kind sich allein vor dem Bildschirm konzentrieren kann. Eine ältere Schülerin aus der Nachbarschaft oder ein Student ist oft die günstigste Lösung, und viele Kinder nehmen das eher an als ein Institut. Ob die Person passt, zeigt sich daran, ob sie verständlich erklärt, zuverlässig kommt und ob dein Kind nach der Stunde sagt, dass es etwas verstanden hat.
Probestunde nutzen und den Preis komplett rechnen
Probestunden sind häufig kostenlos. Lass dir schriftlich bestätigen, dass kein Vertrag daran hängt. Nutze sie ruhig bei mehreren Anbietern und frag, wer unterrichtet und wie groß die Gruppe ist.
Vergleiche die Gesamtkosten bis zum ersten möglichen Vertragsende. Einzelunterricht kostet laut NDR in der Regel 18 bis 40 Euro pro 45 Minuten, Gruppenunterricht etwa acht bis 15 Euro. Ein ausgedachtes Beispiel: 120 Euro im Monat bei zwölf Monaten Mindestlaufzeit sind 1.440 Euro, die du zahlst, auch wenn dein Kind nach drei Monaten keine Lust mehr hat. Prüfe außerdem Aufnahmegebühren, Zahlungen in den Ferien und die Regeln für ausgefallene Stunden. Die Stiftung Warentest fand Anfang 2025 bei sieben Online-Anbietern die Preise auf den Webseiten oft unübersichtlich. Frag deshalb nach dem Gesamtpreis für die Mindestlaufzeit, schriftlich.
Verspricht ein Anbieter, dein Kind in kurzer Zeit um zwei Noten zu verbessern, lies genau nach, was er verbindlich zusagt und ob es Geld zurück gibt, wenn es nicht klappt. Lernen hängt vom Tempo und von der Motivation deines Kindes ab, das kann kein Institut garantieren.
Laufzeit, Kündigung und Förderung vor der Unterschrift klären
Mindestlaufzeiten von sechs bis 24 Monaten sind in der Branche üblich. Für Verträge, die seit März 2022 abgeschlossen wurden, setzt das Gesetz vorformulierten Bedingungen Grenzen: Die erste Laufzeit darf dich höchstens zwei Jahre binden. Verlängert er sich automatisch, dann nur auf unbestimmte Zeit, und du musst ihn dann jederzeit mit höchstens einem Monat Frist kündigen können. Auch zum Ende der ersten Laufzeit darf die Kündigungsfrist nicht länger als ein Monat sein. Klauseln, die diese Grenzen zu deinem Nachteil überschreiten, sind unwirksam. Eine wirksam vereinbarte Mindestlaufzeit bleibt aber bindend. Deshalb lieber kurz anfangen und verlängern, wenn es läuft. Lässt der Anbieter solche Verträge online abschließen, muss er auf seiner Webseite einen Kündigungsknopf bereitstellen. Fehlt er, kannst du jederzeit ohne Frist kündigen.
Bekommt deine Familie Grundsicherungsgeld, das frühere Bürgergeld, Sozialhilfe, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Leistungen für Asylbewerber, kann der Staat die Nachhilfe als Lernförderung über das Bildungs- und Teilhabepaket übernehmen. Voraussetzung ist, dass die Förderung geeignet und nötig ist, damit dein Kind die wesentlichen Lernziele erreicht, und dass die Schule keine vergleichbare Hilfe anbietet. Eine drohende Nichtversetzung ist dafür ausdrücklich nicht nötig. Die Schule muss den Bedarf bestätigen, und du musst die Lernförderung gesondert beantragen, beim Jobcenter oder bei Stadt oder Landkreis. Kläre die Kostenübernahme, bevor du einen kostenpflichtigen Vertrag unterschreibst.
Für die Vorbereitung einer Klassenarbeit reichen oft wenige Stunden. Sollen sich die Noten dauerhaft verbessern, empfehlen Fachleute laut NDR ein bis zwei Einheiten pro Woche über mindestens sechs Monate, mehr überfordert eher. Nachhilfe soll trotzdem kein Dauerzustand werden. Vereinbare mit der Lehrkraft, woran ihr den Erfolg erkennt und wann Schluss ist.


