Du redest über Wanderschuhe, und abends ist die Werbung da
Du sprichst beim Kaffee über neue Wanderschuhe, über eine Reise nach Norwegen oder über einen Zahnarzt, und wenige Stunden später taucht genau dazu Werbung auf dem Handy auf. Der naheliegende Verdacht: Das Ding hört mit.
Passende Werbung allein belegt nicht, dass dein Handy ein Gespräch ausgewertet hat. Die österreichische Behördenseite Onlinesicherheit ordnet den Stand so ein: Ein Mitlauschen zu Werbezwecken ist nicht belegt und sehr unwahrscheinlich, ausgeschlossen wird es nicht. Was technisch früher leichter möglich war, ist durch die Schutzmechanismen der Betriebssysteme heute schwer unbemerkt zu machen. Die gute Nachricht: Du bist dieser Frage nicht ausgeliefert, du kannst an mehreren Stellen selbst nachsehen.
Warum die Werbung trotzdem so gut passt
Drei Dinge wirken zusammen. Erstens landest du bei den Werbeplattformen in Zielgruppen. Wer ähnlich alt ist, ähnlich wohnt und ähnlich sucht, bekommt ähnliche Anzeigen. Was wie Hellsehen wirkt, ist eine Hochrechnung über viele Menschen.
Zweitens liefern Standortdaten Hinweise auf besuchte Orte und mögliche Interessen. Welche Daten eine bestimmte Anzeige ausgelöst haben, lässt sich daraus allein aber nicht feststellen.
Drittens spielt die Wahrnehmung mit. Eine Anzeige zu einem Thema, über das du gerade gesprochen hast, fällt dir eher auf als Werbung, zu der du keinen Bezug hast. Die Treffer merkst du dir, die Fehlschüsse nicht.
Nachsehen, welche App auf dein Mikrofon zugreift
Beide Systeme protokollieren, welche App wann aufs Mikrofon zugegriffen hat. Du kannst also prüfen, wer im erfassten Zeitraum zugehört hat. Ob dabei Daten für Werbung verwendet wurden, zeigt das Protokoll nicht.
- iPhone: Geh auf Einstellungen, dann „Datenschutz & Sicherheit“, scroll nach unten zum App-Datenschutzbericht und schalte ihn ein. Ab dann siehst du für die vergangenen sieben Tage, welche App auf Mikrofon, Kamera oder Standort zugegriffen hat. Gesammelt wird erst ab dem Einschalten, du brauchst also etwas Geduld.
- Android: Unter Einstellungen, „Sicherheit und Datenschutz“, findest du das Privatsphäre-Dashboard. Ab Android 13 zeigt es die vergangenen sieben Tage, unter Android 12 die letzten 24 Stunden. Tippst du auf „Mikrofon“, siehst du jede App, die zugegriffen hat, und kannst ihr das Recht entziehen. Die Menüs heißen je nach Hersteller und Version etwas anders.
Dazu kommt eine Live-Anzeige. Beim iPhone bedeutet der orangefarbene Punkt oben in der Statusleiste, dass gerade eine App das Mikrofon benutzt. Grün steht für die Kamera oder für Kamera und Mikrofon zusammen. Aktuelle Android-Versionen zeigen etwas Ähnliches. Der Punkt sagt dir, dass zugegriffen wird. Wozu die Daten verarbeitet werden, sagt er dir nicht.
Was du heute einstellen kannst
Geh die Berechtigungen einmal nach Kategorie durch, nicht App für App. Öffne die Liste „Mikrofon“ und frag dich bei jedem Eintrag: Braucht dieses Programm das wirklich? Ein Messenger mit Sprachnachrichten ja. Eine Taschenlampe, ein Spiel oder eine Wetter-App eher nicht. Entzieh unnötige Mikrofonberechtigungen. Unter Android kannst du den Zugriff je nach angebotener Option auf die Zeit begrenzen, in der die App geöffnet ist.
Der zweite Punkt betrifft die Werbung selbst. Auf dem iPhone kannst du unter „Datenschutz & Sicherheit“ das Tracking durch Apps beschränken, und unter „Apple-Werbung“ die personalisierte Werbung von Apple abschalten. Unter Android verwaltest du in den Google-Einstellungen die Werbe-ID und die Werbefunktionen. Prüf zusätzlich die Konten der Dienste, die du am meisten nutzt, dort liegen die Interessenprofile. Und lehn beim Cookie-Banner alles ab, was nicht nötig ist.
Auch mit abgeschaltetem Mikrofon kann passende Werbung bei dir ankommen, denn sie speist sich aus Suchen, Käufen und Standorten. Mit eingeschränkten Berechtigungen legst du aber fest, auf welche Funktionen deines Geräts eine App überhaupt zugreifen darf. Das ist der Teil, den du selbst in der Hand hast.

