Honig: Was die neue Herkunftsangabe auf dem Glas verrät

Schluss mit „EU- und Nicht-EU-Ländern“

Stand: 02.10.2026

Wer im Supermarkt zum günstigen Honig gegriffen hat, fand auf dem Etikett lange nur einen vagen Satz: „Mischung von Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern“. Woher der Honig wirklich kam, blieb offen. Für neu hergestellten und gekennzeichneten Honig reicht diese Sammelangabe nicht mehr. Seit dem 14. Juni 2026 gelten neue EU-Regeln, und Deutschland hat sie in seiner Honigverordnung umgesetzt.

Stammt ein Honig aus mehreren Ländern, müssen jetzt alle Ursprungsländer genannt werden. Und zwar mit ihrem Gewichtsanteil in Prozent, sortiert vom größten zum kleinsten. Gemeint sind die Länder, in denen die Bienen den Honig erzeugt haben, nicht der Ort, an dem er ins Glas kam. Auf dem Etikett steht dann zum Beispiel: Ursprungsländer Mexiko 55 %, Ukraine 30 %, Deutschland 15 %.

Kommt der Honig nur aus einem einzigen Land, steht genau dieses Land auf dem Glas. Das war schon vorher Pflicht. Neu ist, dass sich Mischungen nicht mehr hinter einer Sammelformel verstecken können. Gerade beim günstigen Honig aus dem Supermarkt, der häufig aus mehreren Ländern gemischt wird, siehst du jetzt auf einen Blick, was im Glas steckt.

So liest du das neue Etikett

Bei Mischungen müssen die Länder und ihre Anteile im Hauptsichtfeld stehen. Das ist die Seite, die du im Regal zuerst siehst, meist die Vorderseite. Das Kleingedruckte auf der Rückseite musst du dafür nicht mehr absuchen.

Die EU erlaubt den Mitgliedsstaaten eine Ausnahme: Bei Mischungen aus vielen Ländern dürfen unter bestimmten Bedingungen die Prozentzahlen für die kleineren Anteile entfallen, nur die vier größten bekommen dann eine Zahl. Deutschland nutzt diese Ausnahme nicht. Hierzulande steht bei jedem Land der Anteil in Prozent, auch wenn es nur wenig beisteuert.

Zwei Feinheiten solltest du kennen. Die Prozentzahlen stammen aus den Unterlagen des Abfüllers, für jeden Anteil ist eine Toleranz von 5 Prozent erlaubt. Ein exakter Laborwert ist das also nicht. Und bei sehr kleinen Packungen mit weniger als 30 Gramm Honig, etwa Portionsschälchen beim Frühstück im Hotel, dürfen statt der Ländernamen Kürzel aus zwei Buchstaben stehen. DE steht dann für Deutschland, ES für Spanien.

Warum im Regal noch alte Gläser stehen

Wundere dich nicht, wenn du noch Gläser mit der alten Aufschrift findest. Honig, der vor dem 14. Juni 2026 hergestellt und gekennzeichnet wurde, darf verkauft werden, bis die Bestände aufgebraucht sind. Die alte Sammelangabe ist bei solchen Restbeständen also weiterhin zulässig. Weil Honig lange haltbar ist, kann das noch eine Weile dauern.

Ist dir die Herkunft wichtig, nimm lieber ein Glas mit der neuen Angabe. Dann weißt du, welches Land wie viel beisteuert. Und lass dich nicht von der Adresse auf dem Etikett leiten: Sie nennt den Abfüller oder Händler, nicht die Herkunft des Honigs. Ein Unternehmen aus Deutschland kann Honig aus Übersee abfüllen. Entscheidend ist allein die Angabe zu den Ursprungsländern.

Was die Herkunft nicht verrät

Die neue Kennzeichnung nennt die Herkunftsländer und ihre Anteile. Ein Gütesiegel ist sie aber nicht. Ob ein Honig gut schmeckt, schonend verarbeitet wurde oder sogar mit Zuckersirup gestreckt ist, erfährst du daraus nicht. Die Länderliste sagt dir, woher der Honig laut den Unterlagen des Abfüllers stammt. Mehr nicht.

Die EU will mit den neuen Regeln auch Honigfälschungen besser bekämpfen. Der Deutsche Imkerbund rechnet damit, dass große Abfüller künftig weniger Länder in einem Glas mischen.

Wer es ganz genau wissen will, kauft beim Imker in der Nähe. Dort kannst du direkt fragen, wo die Bienenstöcke stehen und welche Sorte du bekommst, etwa Rapshonig oder Waldhonig. Für den Alltag gilt: Bei Gläsern mit neuer Kennzeichnung zeigt dir ein Blick auf die Vorderseite, woher dein Honig stammt. Ob er dir schmeckt, kannst du selbst beurteilen. Ob er echt und unverfälscht ist, lässt sich am Geschmack allein aber nicht zuverlässig erkennen.

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