Erst das Große, dann das Kleine
Handy, Brille, Reisegepäck, Garantieverlängerung: Für fast alles gibt es eine Versicherung, und an vielen Kassen wird sie dir gleich mit angeboten. Manches davon kostet dich jedes Jahr Geld für Schäden, die du auch selbst bezahlen könntest. Die Verbraucherzentralen raten zu einer einfachen Reihenfolge: zuerst die Risiken absichern, die dich finanziell ruinieren könnten, danach kritisch auf den Rest schauen. Was du wirklich brauchst, hängt von deinem Leben ab. Deshalb lohnt ein Blick auf jede einzelne Police.
Stell dir bei jeder Police vier Fragen: Welcher Schaden ist genau versichert? Könnte ich ihn notfalls selbst bezahlen? Habe ich dafür schon anderswo Schutz? Und was kostet die Police im Verhältnis zu dem, was sie im Ernstfall zahlt?
Worauf du nicht verzichten solltest
Ganz oben steht die private Haftpflichtversicherung. Wer einem anderen schuldhaft einen Schaden zufügt, haftet dafür nach dem Gesetz in unbegrenzter Höhe. Ein Fahrradunfall mit einem schwer verletzten Menschen kann Forderungen auslösen, die deine finanziellen Möglichkeiten dauerhaft übersteigen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine Deckungssumme von mindestens 10 Millionen Euro für Personen-, Sach- und Vermögensschäden, besser 50 oder 100 Millionen. Der Aufpreis dafür ist meist gering.
Wer von seinem Arbeitseinkommen lebt, sollte außerdem prüfen, wie er abgesichert ist, wenn er dauerhaft nicht mehr arbeiten kann. Eltern und Menschen mit Immobilienkredit denken über eine Risikolebensversicherung nach, Hausbesitzer über die Wohngebäudeversicherung. Die Krankenversicherung ist in Deutschland ohnehin Pflicht, für Reisen ins Ausland kommt eine Auslandsreisekrankenversicherung dazu.
Wo sich Prüfen oft lohnt
Bei Handy- und Geräteversicherungen nennt die Verbraucherzentrale Beiträge von 10 bis 30 Prozent des Kaufpreises pro Jahr. Je nach Tarif kommen Selbstbeteiligungen hinzu, beispielsweise 100 Euro, und Diebstahl ist oft nicht oder nur gegen Aufpreis versichert. Prüfe auch, ob Bedienfehler abgedeckt sind und ob du Geld, eine Reparatur oder ein Ersatzgerät bekommst. Wenn du eine Hausratversicherung hast, ist dein Handy bei einem Einbruchdiebstahl zu Hause grundsätzlich mitgeschützt, bei einfachem Taschendiebstahl aber in der Regel nicht.
Das Verbraucherportal Bayern zählt außerdem Brillenversicherungen, Garantieverlängerungen, Reisegepäck-, Sterbegeld- und Insassenunfallversicherungen zu den Policen, die meist entbehrlich sind. Die Begründungen: hohe Kosten, viele Ausschlüsse oder Schutz, den du über andere Verträge schon hast.
Ein Sonderfall ist die Restschuldversicherung beim Kredit. Sie soll die Kreditraten absichern, wenn du sie nicht mehr zahlen kannst, ist aber oft sehr teuer und leistet laut Verbraucherzentrale wegen vieler Ausschlüsse häufig wenig. In deren Beispielrechnung, mit mitfinanzierter Versicherungsprämie, stieg der effektive Jahreszins von 8,49 auf 16,89 Prozent. Seit dem 2. Januar 2025 darfst du die Vertragserklärung zu einer Restschuldversicherung für einen normalen Verbraucherkredit erst frühestens eine Woche nach Abschluss des Kreditvertrags abgeben. Hält sich der Versicherer nicht daran, ist die Versicherung nichtig. Die Verbraucherzentrale nennt als Alternativen eine Risikolebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung.
So steigst du aus
Einen frisch abgeschlossenen Vertrag kannst du nach dem Versicherungsvertragsgesetz meist innerhalb von 14 Tagen ohne Begründung in Textform widerrufen, etwa per E-Mail. Bei Lebensversicherungen sind es 30 Tage. Die Frist beginnt erst, wenn dir die vorgeschriebenen Unterlagen samt Widerrufsbelehrung vorliegen. Bei laufenden Verträgen schau in deine Unterlagen: Viele lassen sich nur zum Ende des Versicherungsjahres kündigen, die Frist liegt laut Gesetz zwischen einem und drei Monaten. Hast du einen Vertrag für mehr als drei Jahre abgeschlossen, kannst du nach § 11 VVG zum Ende des dritten Jahres und danach jährlich mit drei Monaten Frist kündigen.
Zwei ähnliche Policen sind übrigens nicht automatisch doppelt. Vergleiche erst, wer versichert ist und was genau abgedeckt wird, bevor du kündigst. Eine gute erste Orientierung gibt der kostenlose Versicherungs-Check der Verbraucherzentralen. Er ersetzt keine Beratung, und im Einzelfall kann auch eine Handyversicherung sinnvoll sein, etwa wenn du dir ein neues Gerät gerade nicht leisten könntest. Die Verbraucherzentralen raten, die eigenen Verträge alle zwei bis drei Jahre durchzugehen und zusätzlich, wenn sich dein Leben ändert, etwa nach Umzug, Heirat oder Jobwechsel.
