Mindestlaufzeit vorbei: kündigen, wechseln oder bleiben?
Zwei Jahre Handyvertrag sind schnell um. Und dann? Früher war das Ende der Laufzeit eine echte Falle. Wer die Kündigungsfrist von drei Monaten verpasst hatte, hing gleich wieder ein ganzes Jahr fest. Das ist seit Dezember 2021 vorbei. Seitdem gilt für Handy-, Festnetz- und Internetverträge eine deutlich bessere Regel.
Die erste Mindestlaufzeit darf höchstens 24 Monate betragen. Danach verlängert sich dein Vertrag nicht mehr um ein Jahr, sondern läuft unbefristet weiter, solange du nichts Neues vereinbarst. Und du kannst ihn ab dann jederzeit mit einer Frist von höchstens einem Monat kündigen. Außerdem muss dir der Anbieter neben langen Verträgen auch einen Vertrag mit höchstens zwölf Monaten Laufzeit anbieten. Einen Anspruch auf genau denselben Tarif zu denselben Preisen hast du dabei aber nicht.
Bevor die Mindestlaufzeit endet, muss dich dein Anbieter schriftlich oder per Mail darauf hinweisen und dir sagen, wie du kündigen kannst. Ein Anruf allein reicht dafür nicht. Dazu kommt: Einmal im Jahr muss er dich über seinen für dich besten eigenen Tarif informieren. Automatisch umgestellt wirst du dadurch aber nicht. Und ein Vergleich mit anderen Anbietern ersetzt diese Info auch nicht.
Erst rechnen, dann entscheiden
Schau zuerst nach, wann deine Mindestlaufzeit tatsächlich endet. Am zuverlässigsten steht das auf deiner aktuellen Rechnung oder in deinem Kundenkonto. Die alten Vertragsunterlagen helfen nur bedingt, denn ein späterer Tarifwechsel kann das Datum verschoben haben.
Dann rechne nach, was du jeden Monat wirklich zahlst, mit allen Zusatzoptionen. Hast du damals ein Handy zum Vertrag bekommen, frag nach, ob der Monatspreis nach Ablauf der Laufzeit sinkt. Automatisch ist das nicht so. Vergleiche danach mit aktuellen Angeboten, die ähnlich viel Datenvolumen bieten.
Bleiben kann völlig in Ordnung sein. Manche alten Tarife sind günstig und gut. Der Vorteil der neuen Regel: Ohne neue Vereinbarung bist du nicht mehr lange gebunden. Findest du in drei Monaten etwas Besseres, bist du einen Monat später raus.
Vorsicht bei Treueangeboten
Das größere Risiko ist heute eine neue Mindestlaufzeit, die du selbst unterschreibst. Meldet sich dein Anbieter mit einem günstigeren Tarif, einer Prämie oder einem neuen Handy, steckt oft eine neue Bindung drin. Prüf deshalb vor dem Ja genau, ob und wie lange du dich neu bindest und ob ein Handy über eine eigene Ratenzahlung läuft.
Wie weit Anbieter dabei gehen dürfen, hat der Bundesgerichtshof im Juli 2025 klargestellt. Ein Anbieter hatte Kunden schon kurz nach Vertragsbeginn eine Prämie von 20 Euro für eine Verlängerung um weitere 24 Monate angeboten. Das ist nicht erlaubt. Bei einer vorzeitigen Verlängerung zählen die Restlaufzeit und die neue Laufzeit zusammen, und mehr als 24 Monate Bindung dürfen dabei nicht herauskommen. Geklagt hatte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie rät, solche Angebote kritisch zu prüfen und sich von einer Prämie nicht drängen zu lassen.
So nimmst du deine Nummer mit
Willst du wechseln, achte darauf, dass dein alter Vertrag sauber gekündigt ist, und heb die Bestätigung auf. Deine Handynummer kannst du mitnehmen, und das ist seit Dezember 2021 kostenlos. Sag dem neuen Anbieter gleich beim Abschluss, dass du deine Nummer mitbringen willst, und achte darauf, dass Name und Vertragsdaten bei beiden Anbietern übereinstimmen.
Du kannst die Nummer auch schon vor dem Vertragsende mitnehmen. Dann zahlst du den alten Vertrag aber bis zu seinem Ende weiter, obwohl die Nummer schon woanders läuft. Und wenn du es knapp verpasst: Bis einen Monat nach Vertragsende hast du noch das Recht, die Mitnahme zu beantragen. Manche Verträge erlauben sogar mehr Zeit.
Unterm Strich: Die Zeiten, in denen man ein Jahr lang an einem zu teuren Vertrag klebte, sind vorbei. Das heißt aber nicht, dass du automatisch gut fährst. Wer nichts tut, zahlt einfach weiter den alten Preis. Prüf mindestens einmal im Jahr deine Rechnung und vergleiche passende Angebote. Und bei jedem verlockenden Angebot deines Anbieters erst nach der neuen Laufzeit fragen, dann unterschreiben.


