E-Mail-Anbieter im Test: Kein einziges Gratis-Postfach kommt über ein Befriedigend hinaus

Kein einziges Gratis-Postfach im Test kommt über ein Befriedigend hinaus

Stand: 11.09.2026

Deine E-Mail-Adresse hast du wahrscheinlich seit vielen Jahren. Sie kostet nichts, sie funktioniert, und du denkst nie darüber nach. Die Stiftung Warentest (09/2026)  hat 18 Tarife von zehn Anbietern geprüft, acht davon kostenlos. Ergebnis: Keiner der acht Gratis-Tarife kam über ein Befriedigend hinaus. Ganz vorn liegen zwei Bezahlangebote für einen Euro im Monat.

Was im Test herauskam

Geprüft wurden Apple, Microsoft, Google, GMX, Web.de, T-Online, Posteo, Mailbox, Tuta und Proton. Testsieger ist Posteo mit der Note 1,7, dahinter Mailbox mit 1,8. Beide kosten einen Euro im Monat, also zwölf Euro im Jahr. Unter den kostenlosen Postfächern schnitt GMX mit 2,6 am besten ab, danach T-Online mit 2,7 und Web.de mit 2,8. Der Test erschien am 2. September 2026, die vollständige Tabelle gibt es gegen Gebühr bei test.de.

Die Kritik an den Gratis-Konten wiederholt sich: wenig Speicherplatz, Werbung mitten im Postfach, dünner Support. Der schwerere Punkt ist der Datenschutz. Bei manchen Anbietern erlaubt die Datenschutzerklärung ausdrücklich, die Korrespondenz mitzulesen und auszuwerten. Bei Google, Apple und Microsoft kommt hinzu, dass sie als US-Unternehmen unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen verpflichtet werden können, Behörden Daten aus Konten ausländischer Kunden herauszugeben.

Was du für zwölf Euro im Jahr bekommst

Die beiden Erstplatzierten verzichten auf Werbung im Postfach und setzen auf Datensparsamkeit und Verschlüsselung nach offenen Standards wie PGP. Beim Speicherplatz solltest du dagegen genau hinschauen: Der Einstiegstarif für einen Euro ist knapp bemessen und bietet teils weniger Platz als ein kostenloses Konto. Wer viel archiviert, braucht die nächste Stufe.

Es muss auch nicht der Testsieger sein. Wer bei seinem gewohnten Anbieter bleiben, aber die Werbung loswerden will, findet dort meist einen Bezahltarif. Web.de MailPlus etwa kam auf eine 2,4 und kostet rund vier Euro im Monat, also das Vierfache der beiden Erstplatzierten. Vergleiche deshalb nicht nur die Note, sondern auch den Preis pro Jahr.

Ein Detail wird oft falsch erzählt: Eine Adresse, die auf die Domain deines bisherigen Anbieters endet, kannst du nicht mitnehmen. Ein Wechsel bedeutet dann immer eine neue Adresse. Wer den ganzen Umzug scheut, kann zweigleisig fahren und das alte Gratis-Postfach für Newsletter, Gewinnspiele und Onlineshops behalten, während die wichtige Post über ein neues Konto läuft.

So läuft ein Umzug Schritt für Schritt

Geh in dieser Reihenfolge vor. Erstens: neues Postfach anlegen und das alte weiterlaufen lassen, auf keinen Fall sofort kündigen. Zweitens: im alten Konto eine Weiterleitung auf die neue Adresse einrichten, damit nichts liegen bleibt. Das bieten viele, aber nicht alle Anbieter, bei manchen nur im Bezahltarif. Drittens: die alten Nachrichten übertragen, meist über eine Importfunktion oder über ein Mailprogramm mit IMAP. Viertens: nach und nach die hinterlegte Adresse bei Bank, Versicherung, Arbeitgeber, Onlineshops und Behörden ändern. Rechne mit mehreren Wochen, in denen beide Postfächer parallel laufen.

Wenn du gar nicht wechseln willst, ist trotzdem ein Handgriff fällig. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik rät, beim E-Mail-Konto anzufangen und es mit einem zweiten Faktor zu sichern, etwa einem Code aus einer App auf dem Handy. Der Grund ist einleuchtend: Wer in dein Postfach kommt, kann sich bei vielen anderen Diensten das Passwort zurücksetzen lassen.

Und die Note? In sie fließen auch Einrichtung, Bedienung und Support ein. Aus der Gesamtnote allein kannst du deshalb nicht ablesen, wie es um den Datenschutz deines Postfachs steht. Ein Befriedigend heißt nicht, dass dein Konto unsicher ist. Ob dir der Unterschied den Aufwand eines Umzugs wert ist, entscheidest du. Der zweite Faktor lohnt sich in jedem Fall, und der kostet nur ein paar Minuten.

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