Wie viel teurer Markenprodukte im Schnitt sind
Gut & Günstig, ja!, K-Classic: Die Eigenmarken der Supermärkte und Discounter landen in immer mehr Einkaufswagen. Laut Stiftung Warentest stieg ihr Marktanteil nach Zahlen des Marktforschers GfK von 40,6 Prozent im Jahr 2021 auf 45,5 Prozent im Jahr 2023. Ein möglicher Grund ist der Preis: Markenprodukte kosten laut einer Studie des Marktforschers NIQ aus dem Jahr 2025 im Schnitt 51,3 Prozent mehr als Eigenmarken. Das berichtet die Verbraucherzentrale NRW.
Eine Eigenmarke, auch Handelsmarke genannt, gibt ein Handelsunternehmen selbst in Auftrag. Es legt die Qualitätsvorgaben und das Preisniveau fest und bietet sie über die eigenen Märkte an. Herstellermarken findest du dagegen meist bei mehreren Händlern.
Was Tests und Marktchecks zeigen
Die Verbraucherzentrale NRW kommt mit Blick auf Ergebnisse der Stiftung Warentest zu dem Schluss, dass es bei der Qualität kaum Unterschiede gibt. Die Stiftung Warentest hat Anfang 2023 dafür 58 ihrer Lebensmitteltests mit 1.414 Produkten ausgewertet und die Auswertung 2024 ergänzt. Bei vielen Produkten hast du die Wahl zwischen einer guten Marke und einer guten Eigenmarke, etwa bei Butter, Milch, Salz, Mineralwasser oder Erdnussbutter. Bei Geschmack oder Schadstoffen liegen mal die einen, mal die anderen vorn.
Die Verbraucherzentrale Hamburg hat im Mai 2024 in acht Supermärkten und Discountern in Niedersachsen 86 Produkte verglichen, darunter Zucker, Toast, Haferflocken, Konfitüre, Kaffee und Joghurt. Das Ergebnis: Markenprodukte waren teils bis zu dreimal so teuer wie die günstigen Eigenmarken. Für Haferflocken, Toast, Erdbeerjoghurt und Erdbeerkonfitüre zahlte man etwa das Doppelte. Bei den Bio-Eigenmarken fielen auf der Packung häufig günstigere Rezepturen auf, zum Beispiel weniger Zucker in Konfitüre und Joghurt. Mit den Angaben auf der Packung ließ sich der höhere Preis der Marken nicht erklären. Der Marktcheck war allerdings eine regionale Stichprobe, der Geschmack wurde nicht bewertet.
So vergleichst du richtig
- Grundpreis statt Packungspreis: Am Regal steht der Preis pro Kilo oder Liter. Damit vergleichst du den Preis für dieselbe Menge, auch wenn sich die Packungsgrößen um ein paar Gramm unterscheiden. Muss ein Abtropfgewicht angegeben werden, etwa bei vielen Konserven, bezieht sich der Grundpreis darauf, also auf das, was ohne Flüssigkeit übrig bleibt.
- Gleiches mit Gleichem vergleichen: Viele Händler haben mehrere Stufen, vom Preiseinstieg über Bio bis zur Premiumlinie. Vergleiche Bio mit Bio und nicht die Bio-Marke mit der billigsten Eigenmarke.
- Nährwerte und Zutaten lesen: Vergleiche den angegebenen Fruchtanteil und den Zuckergehalt je 100 Gramm. Die Zutatenliste zeigt dir zusätzlich, was alles drinsteckt, etwa Aromen oder Verdickungsmittel.
- Angebote mitdenken: Auch Markenprodukte sind regelmäßig reduziert. Im Angebot kann die Marke günstiger sein als die Eigenmarke zum Normalpreis.
Der Mythos vom gleichen Hersteller
Oft heißt es, in der Eigenmarke stecke einfach das Markenprodukt, nur billiger verpackt. Selbst wenn derselbe Betrieb beides herstellt, sagt das nichts darüber, ob Rezeptur und Zutaten gleich sind. Die großen Handelskonzerne kontrollieren laut Verbraucherzentrale NRW selbst, wie ihre Produkte hergestellt und zusammengesetzt werden. Verlass dich deshalb nicht auf Listen im Netz, die angeblich verraten, wer hinter welcher Eigenmarke steckt, sondern auf das, was auf deiner Packung steht.
Zur Einordnung: Die großen Auswertungen sind ein paar Jahre alt, und Rezepturen ändern sich. Außerdem steigen die Preise der Eigenmarken laut Verbraucherzentrale NRW seit Herbst 2024 stärker als die der Markenprodukte. Dadurch kann ihr Preisvorteil schrumpfen. Und Grundpreis und Zutatenliste verraten dir nicht alles. Ob ein Produkt mit Schadstoffen belastet ist, siehst du der Packung nicht an, dafür helfen aktuelle Tests zum konkreten Produkt. Schmeckt dir die Eigenmarke und ist ihr Grundpreis niedriger, kannst du damit beim Wocheneinkauf spürbar sparen.


