Der Dispo ist bequem, und genau das ist das Problem
Stand: 22.09.2026
Ist der Dispo einmal eingerichtet, fragt bei jeder einzelnen Nutzung niemand mehr nach. Kein Antrag, kein Gespräch, keine Unterschrift. Das macht ihn zum unauffälligsten Kredit, den du hast. Problematisch wird er nicht, wenn du drei Tage vor dem Gehaltseingang ins Minus rutschst, sondern wenn dein Konto den Sprung über die Null gar nicht mehr schafft. Dann zahlst du Monat für Monat Zinsen auf einen Betrag, der nie kleiner wird.
Was das Minus tatsächlich kostet
Eine Auswertung von Verivox auf Basis von BaFin-Daten vom 26. Februar 2026 hat über 6.600 Girokontomodelle von rund 1.100 Banken und Sparkassen verglichen. Der durchschnittliche Dispozins lag bei 11,28 Prozent, der teuerste Wert im Vergleich bei 15,31 Prozent. Bei 45 Prozent der Konten kommt für die geduldete Überziehung noch ein Aufschlag obendrauf, im Schnitt 4,25 Prozentpunkte.
Der eingeräumte Dispo ist die Linie, die deine Bank dir zugesagt hat. Eine geduldete Überziehung liegt vor, wenn du darüber hinausgehst oder wenn gar kein Rahmen vereinbart wurde. Prüfe im Preis- und Leistungsverzeichnis deiner Bank, ob dafür ein höherer Zinssatz gilt.
Rechne es an deinem eigenen Fall durch. Bei angenommenen 12 Prozent kosten dich 1.000 Euro Minus über 30 Tage rund 10 Euro. Klingt nach wenig. Stehst du dauerhaft mit 2.000 Euro im Minus, sind es im Jahr rund 240 Euro allein für die Kreditnutzung, ohne dass die Schuld dadurch sinkt.
Umschulden hilft, aber nicht immer
Ein Ratenkredit ist meist niedriger verzinst als der Dispo. Er funktioniert anders: Die Bank zahlt den Kredit aufs Konto, damit ist das Minus ausgeglichen, und du zahlst den Kredit anschließend in festen Monatsraten zurück. Bevor du wechselst, prüfe vier Dinge.
- Den effektiven Jahreszins im konkreten Angebot, nicht den Werbezins. Nutze dafür eine Konditionsanfrage, keine Kreditanfrage.
- Den Gesamtbetrag. Ein niedriger Zins über sieben Jahre kann am Ende teurer sein als ein höherer über zwei.
- Eine angebotene Restschuldversicherung. Prüfe, was sie genau abdeckt und welche Fälle ausgeschlossen sind. Ihr Beitrag steckt nicht zwingend im beworbenen Effektivzins.
- Ob die Monatsrate dauerhaft in dein Budget passt. Kannst du sie später nicht zahlen, drohen Mahngebühren, Verzugszinsen und im schlimmsten Fall die Kündigung des Kredits.
Der wichtigste Punkt kommt zum Schluss: Eine Umschuldung verschiebt deine Schulden, sie ändert nichts an deinen Ausgaben. Wer den frei gewordenen Dispo danach wieder ausschöpft, hat am Ende beides zu bedienen. Senke die Kreditlinie deshalb mit, allerdings erst, wenn dein Konto das aushält. Steht dein Haushalt dauerhaft im Defizit, ist die Schuldnerberatung die richtige Adresse, nicht die nächste Bank.
Diese Rechte hast du, und ab November kommen neue dazu
Schon heute gilt: Hast du deinen eingeräumten Dispo sechs Monate ununterbrochen zu durchschnittlich mehr als 75 Prozent ausgeschöpft, muss deine Bank dir ein Beratungsgespräch anbieten.
Am 20. November 2026 tritt das Gesetz zur Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie in Kraft, verkündet am 18. Mai 2026 im Bundesgesetzblatt. Für Überziehungen ändert sich dann Folgendes: Deine Bank muss dich künftig mindestens einmal im Monat über den Stand unterrichten. Kündigt oder kürzt sie deine Kreditlinie, muss sie dich mindestens 30 Tage vor dem Wirksamwerden darüber informieren. Und bevor sie wegen des offenen Betrags die Zwangsvollstreckung einleitet, muss sie dir anbieten, ihn in zwölf gleichen Monatsraten zurückzuzahlen, ohne dass dafür zusätzliche Kosten anfallen.
Billiger wird der Dispo dadurch nicht, und die Zinsen laufen in diesen zwölf Monaten weiter. Was du gewinnst, ist Zeit und ein klarer Zahlungsplan an der Stelle, an der es bisher am schnellsten eng wurde.


