Gewachst, konserviert, unbehandelt: Welche Obstschale du mitessen kannst

Ein glänzender Apfel ist nicht automatisch behandelt

Du nimmst einen Apfel aus der Kiste, er glänzt, und sofort kommt der Gedanke: gewachst. Das muss aber nicht stimmen. Äpfel tragen von Natur aus eine Wachsschicht auf der Schale, die sie vor dem Austrocknen schützt. Wie stark sie ausfällt, hängt von der Sorte ab. Das erklärt die Verbraucherzentrale NRW. Glanz allein sagt dir also nichts. Verlass dich auf das, was angeschrieben ist.

Was auf die Schale darf und wie du es erkennst

Die EU erlaubt, Äpfel zusätzlich mit Überzugsmitteln zu behandeln, etwa mit Bienenwachs, Candelillawachs, Carnaubawachs oder Schellack. Passiert das, muss es dranstehen. Geregelt ist die Kenntlichmachung in Paragraf 5 der Lebensmittelzusatzstoff-Durchführungsverordnung. Aufgeführt sind dort die Zusatzstoffe E 445, E 471, E 473, E 474, E 901 bis E 905 und E 914, sofern sie zur Oberflächenbehandlung eingesetzt werden. Welcher Stoff bei welcher Obstart zugelassen ist, regelt das EU-Zusatzstoffrecht allerdings getrennt. Das Wort, nach dem du suchst, lautet schlicht gewachst. Bei verpackter Ware steht es auf der Packung, bei loser Ware muss der Hinweis bei der Ware zu finden sein, meist auf einem Schild an der Kiste. Ein vollständiges Zutatenverzeichnis oder ein Aushang mit allen Zusatzstoffen kann ihn unter bestimmten Voraussetzungen ersetzen.

Ein Punkt macht die Sache im Alltag leicht: Bio-Äpfel dürfen nicht gewachst werden. Wer die Schale mitessen will und sich das Suchen sparen möchte, greift zu Bio-Ware. Und die Schale mitzuessen lohnt sich, denn viele Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe sitzen in der Schale und direkt darunter. Die Verbraucherzentrale rät deshalb dazu, Äpfel ungeschält zu essen. Wasch einen konventionellen Apfel vorher warm ab und reib ihn mit einem Tuch trocken.

Bei Zitrusfrüchten geht es um mehr als Wachs

Orangen, Zitronen und Limetten werden nicht nur gewachst. Auf der Schale können auch pilzhemmende Mittel sitzen, die nach der Ernte aufgetragen werden und Schimmel auf dem langen Transportweg verhindern sollen, etwa Imazalil und Thiabendazol. Das Verbraucherportal Bayern führt diese Stoffe auf und nennt auch die Kennzeichnung. Behandelte Früchte tragen den Hinweis konserviert oder gewachst, und die eingesetzten Mittel müssen benannt werden. Bei Thiabendazol heißt es beispielsweise: konserviert mit Thiabendazol.

Halte die beiden Dinge auseinander. Wachs ist ein Überzugsmittel, es soll die Frucht vor dem Austrocknen schützen und sie ansehnlich halten. Die pilzhemmenden Mittel sind etwas anderes. Beides kann auf demselben Schild stehen, meint aber nicht dasselbe.

Was „unbehandelt“ verspricht und was nicht

Hier irren sich viele. Steht auf der Kiste „unbehandelt“ oder „nach der Ernte unbehandelt“, heißt das nicht: ohne Pflanzenschutz gewachsen. Die Angabe bezieht sich auf die Behandlung nach dem Pflücken. Rückstände aus dem Anbau können trotzdem vorhanden sein, und ein Bio-Produkt wird daraus auch nicht. Das Verbraucherportal Bayern nennt die Bezeichnung deshalb ausdrücklich trügerisch.

Praktisch heißt das: Wenn du die Schale abreiben willst, für Kuchen, Marmelade oder einen Drink, nimm Bio-Früchte. Das empfiehlt auch das Bundeszentrum für Ernährung, weil im Bio-Anbau die Schale nicht mit Konservierungsstoffen oder Wachsen behandelt wird. Eine Schale, die nach der Ernte mit pilzhemmenden Mitteln behandelt wurde, gehört auch nach dem Waschen nicht in den Teig. Für alle anderen Früchte gilt: mit lauwarmem bis heißem Wasser gründlich waschen und mit Küchenpapier trocken reiben. Damit lässt sich laut Verbraucherportal Bayern ein Großteil der Konservierungsmittel entfernen. Wasch auch die Früchte, die du auspressen willst, denn beim Schneiden wandert sonst mit, was außen sitzt.

Waschen löst nicht alles. Es entfernt viel von dem, was auf der Schale klebt, aber nicht restlos, und beim Wachs greift es weniger. Panik ist trotzdem nicht angebracht. Die zugelassenen Überzugsmittel werden vor ihrer Zulassung geprüft, und der Apfel mit Schale bleibt eine gute Idee. Wenn du regelmäßig Schalenabrieb verwendest, ist Bio schlicht der einfachere Weg.

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