Darf diese Dose in die Mikrowelle? Der Check vor dem Aufwärmen

Darf diese Dose in die Mikrowelle?

Stand: 09.09.2026

Die Reste vom Vortag stehen in der Vorratsdose, die Dose wandert in die Mikrowelle, zwei Minuten später ist Mittagessen. Ein Handgriff, über den kaum jemand nachdenkt. Trotzdem gehört längst nicht jeder Kunststoff in ein Gerät, das Lebensmittel auf über 90 Grad bringt. Das Problem: Du siehst den Behältern ihre Eignung kaum an, und das Symbol auf dem Boden reicht für die Entscheidung nicht immer aus.

Das Glas-Gabel-Symbol beantwortet die falsche Frage

Ein Glas und eine Gabel als Piktogramm findest du auf vielen Dosen und Bechern. Das Zeichen gilt EU-weit und sagt aus, dass das Material für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet ist. Über Hitze oder Mikrowelle sagt es nichts. Das Symbol gibt keine Auskunft über die Eignung zum Erhitzen. Dazu kommt, dass es nicht auf allem stehen muss. Ist der Verwendungszweck eindeutig erkennbar, etwa bei einer Kaffeemaschine, darf die Kennzeichnung fehlen. Und die Piktogramme für Mikrowelle, Spülmaschine oder Tiefkühlfach sind laut Verbraucherzentrale nicht genormt, werden unterschiedlich dargestellt und sind oft nicht selbsterklärend.

Verlass dich deshalb nicht auf ein Zeichen allein, sondern auf die ausdrückliche Angabe des Herstellers, dass der Behälter mikrowellengeeignet ist. Beachte dort vorhandene Angaben zu Temperatur, Erhitzungsdauer und Deckel. Findest du keine solche Angabe, füll das Essen in ein hitzebeständiges, mikrowellengeeignetes Gefäß aus Glas oder Keramik um, ohne Metallrand und ohne Golddekor. Ein grober Anhaltspunkt für zulässige Kunststoffe ist Polypropylen, kurz PP. Ein Freibrief ist das Kürzel nicht, denn die zulässigen Temperaturen unterscheiden sich auch innerhalb einer Kunststoffsorte je nach Produkt.

Melaminharz und Bambusmischungen gehören nicht in die Mikrowelle

Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät davon ab, Geschirr aus Melamin-Formaldehyd-Harz in der Mikrowelle zu erhitzen oder überhaupt mit heißen Speisen zu füllen. Aus diesem Material, aus dem viel buntes, leichtes Camping- und Kindergeschirr besteht, können bei Hitze Melamin und Formaldehyd auf das Essen übergehen.

Auffällig war in den vom Bundesinstitut beschriebenen Untersuchungen Kunststoffgeschirr mit beigemischten Bambusfasern, nicht zu verwechseln mit Geschirr aus reinem Bambus. Bei rund einem Drittel der geprüften Gegenstände wurden die Grenzwerte überschritten, im Extremfall lag der Formaldehydwert beim 60-Fachen des erlaubten Wertes. Wegwerfen musst du dein unbeschädigtes Melamingeschirr deswegen nicht: Für kalte oder lauwarme Speisen bleibt es nutzbar, für den Kindergeburtstag im Garten also weiterhin in Ordnung. Kritisch sind heiße Speisen und Getränke, und dazu zählt schon der Tee oder die frisch gekochte Suppe. Wird die glänzende Oberfläche stumpf, ist das ein Zeichen dafür, dass das Material bereits gelitten hat.

Der kurze Check vor dem Aufwärmen

  • Steht auf Behälter oder Verpackung ausdrücklich, dass er mikrowellengeeignet ist?
  • Gilt das auch für den Deckel, oder muss der ab?
  • Hat das Teil Risse, Kratzer oder trübe Stellen? Dann aussortieren, rät die Verbraucherzentrale.
  • Joghurtbecher und Eisdosen sind nicht zum Aufwärmen gedacht. Bei Schalen vom Lieferdienst oder vom Fertiggericht brauchst du eine ausdrückliche Freigabe für die Mikrowelle.
  • Buntes Melamin- oder Bambusgeschirr: umfüllen.

Aber auch wichtig: dass Kunststoff Stoffe abgeben kann, heißt nicht, dass dein Mittagessen aus der Plastikdose dich krank macht. Chemische Stoffübergänge und winzige Kunststoffpartikel sind außerdem zwei verschiedene Fragen. Für Mikro- und Nanoplastik in Lebensmitteln hat die europäische Behörde EFSA bislang keine umfassende Risikobewertung abgeschlossen, ein wissenschaftliches Gutachten dazu ist bis Ende 2027 geplant. Belegt ist nur, dass ungeeignetes Material bei Hitze Stoffe abgeben kann, die dort nicht hingehören. Diesen Teil hast du mit dem Umfüllen in Glas erledigt.

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