Zwei Euro mehr für alle: Netflix hat die Preise erhöht
Stand: 06.09.2026
Seit dem 3. September 2026 kostet jedes Netflix-Abo in Deutschland zwei Euro mehr im Monat. Das Standard-Abo mit Werbung steigt von 4,99 auf 6,99 Euro, das ist ein Aufschlag von 40 Prozent. Standard ohne Werbung kostet 15,99 statt 13,99 Euro, Premium 21,99 statt 19,99 Euro. Auch Zusatzmitglieder werden teurer: 4,99 statt 3,99 Euro mit Werbung, 5,99 statt 4,99 Euro ohne. Das alte werbefreie Basis-Abo, das nur noch Bestandskunden hatten, läuft aus. Die letzte Erhöhung lag im April 2024, damals blieb das Werbe-Abo verschont. Diesmal trifft es ausgerechnet die günstigste Stufe am stärksten.
Wer neu abschließt, zahlt sofort den neuen Preis. Bestandskunden werden nach und nach umgestellt. Netflix kündigt an, sie etwa einen Monat vor dem nächsten Rechnungsdatum per E-Mail zu informieren. In dieser Mail erfährst du, ab wann dein Abo teurer werden soll. Die Details zu den Preisen hat Techbook zusammengetragen.
Warum Netflix dich überhaupt fragen muss
Netflix darf den Preis in deinem laufenden Abo nicht einfach ändern. Die Preisanpassungsklausel in den Netflix-Bedingungen hat das Kammergericht Berlin am 15. November 2023 für unwirksam erklärt (Az. 23 U 15/22), das Urteil ist rechtskräftig. Auf diese Klausel kann Netflix eine Erhöhung also nicht stützen. Ob der höhere Preis für dich gilt, hängt davon ab, ob du ihm wirksam zugestimmt hast.
Was dafür nicht reicht, hat das Landgericht Köln im Mai 2025 entschieden (Urteil vom 15.05.2025, Az. 6 S 114/23). Die Pop-ups, mit denen Netflix 2017, 2019 und 2021 die neuen Preise einblendete, wertete das Gericht nicht als wirksame Angebote zur Vertragsänderung. Der Klick auf „Zustimmen“ genügte in diesem Fall nicht, und der Kunde bekam rund 200 Euro zurück. Zur Einordnung: Das Urteil gilt nur für diesen einen Kunden. Andere können sich darauf berufen, müssen ihr Geld aber selbst einfordern und im Streitfall klagen. Die Details stehen bei der Verbraucherzentrale.
Was passiert, wenn du nicht zustimmst
Bei der Erhöhung 2024 blendete Netflix die Abfrage direkt in der App ein. Verschieben ließ sie sich laut Techbook nicht: Entweder man stimmte zu, oder das Abo wurde gekündigt. Rechtsanwalt Christian Solmecke nannte diesen Druck damals „sittenwidrig“. Wie Netflix diesmal fragt und wann ein Abo bei Ablehnung endet, ist noch nicht bekannt. Wer aus dem Vorgehen von 2024 lernt, rechnet aber besser damit, dass eine Ablehnung das Abo beendet und ein späterer Wiedereinstieg zum neuen Preis läuft.
Die Rechnung: Zwei Euro mehr sind 24 Euro im Jahr. Wer drei Streaming-Abos hat und bei jedem eine solche Runde mitmacht, zahlt 72 Euro mehr im Jahr. Netflix hat in gut zwei Jahren zweimal erhöht. Wer das Abo nur für eine Serie im Jahr braucht, kann es kündigen und für einen Monat wieder aktivieren, wenn die neue Staffel läuft. Das ist kein Trick, sondern schlicht das Monatsabo, wie Netflix es anbietet.
Alte Erhöhungen: Was du noch zurückholen kannst
Wer die Erhöhungen 2019 oder 2021 nur per Pop-up „bestätigt“ hat, kann versuchen, die Differenz zurückzufordern. Die Verbraucherzentrale weist auf die Verjährung hin: Die regelmäßige Frist beträgt drei Jahre und läuft ab Ende des Jahres, in dem gezahlt wurde. Für überhöhte Zahlungen aus 2023 endet sie Ende 2026, für Zahlungen aus 2024 bis zur damaligen Erhöhung Ende 2027. Ansprüche aus 2022 sind regelmäßig seit Ende 2025 verjährt. Wichtig: Ein Forderungsbrief allein hält diese Frist nicht auf, das schafft erst ein Mahnbescheid oder eine Klage. Einen Musterbrief findest du über die Verbraucherzentrale Niedersachsen.
Ob Netflix auf deinen Brief hin erstattet, ist offen. Lehnt das Unternehmen ab, bleibt nur der Weg vor Gericht, mit Kostenrisiko. Bei 20 oder 30 Euro lohnt das selten. Bei mehreren Jahren und einem Premium-Abo kommen aber schnell dreistellige Summen zusammen, dann ist der Musterbrief der erste Schritt, den du selbst gehen kannst.
Mein Rat: Warte die E-Mail ab, lies sie in Ruhe, und stimme nicht im Vorbeigehen zu, weil gerade die nächste Folge lädt. Prüfe den neuen Preis und den Umstellungstermin, und entscheide dann, ob dir Netflix 15,99 oder 21,99 Euro im Monat wert ist. Ob du für alte Erhöhungen Geld zurückbekommst, hängt von deinem Vertrag und davon ab, wie damals gefragt wurde. Ein Automatismus ist es nicht.


