Ein Schild am Drehkreuz ist noch keine Unterschrift
Stand: 22.09.2026
Du kommst ins Studio, am Eingang hängt ein Aushang: Der Beitrag steigt, und wer jetzt durch das Drehkreuz geht, ist damit einverstanden. Für das Studio ist das bequem. Bei dir kommt an, dass du nur zwei Möglichkeiten hast, nämlich zustimmen oder wieder umdrehen. Genau dieser Eindruck war jetzt Gegenstand eines Gerichtsverfahrens.
Was das Oberlandesgericht München entschieden hat
Am 3. September 2026 hat das Oberlandesgericht München entschieden, dass eine große Fitnesskette ihre Preiserhöhung nicht auf diesem Weg durchsetzen darf (Aktenzeichen 29 U 4043/23 e). Geklagt hatte ein Verbraucherschutzverband. Das Gericht wertete den Aushang am Drehkreuz als aggressive geschäftliche Handlung, weil Mitglieder ihn so verstehen mussten, dass ihnen nur Zustimmung oder Verzicht auf das Training blieb. Die Einzelheiten stehen bei beck-aktuell.
Neu ist die Masche nicht. Gegen die McFIT-Betreiberin RSG Group lief ein fast gleicher Fall vor dem Landgericht Bamberg (13 O 730/22). Auch dort verlor das Unternehmen, ging in Berufung und gab am Ende eine Unterlassungserklärung ab, nachzulesen beim Verbraucherzentrale Bundesverband.
Solche Urteile verpflichten das Unternehmen, die Praxis zu unterlassen. Sie überweisen dir kein Geld zurück. Deinen eigenen Anspruch musst du selbst anmelden.
Erst in den Vertrag schauen, dann widersprechen
Hol deinen Vertrag heraus und such nach einer Preisanpassungsklausel. Findest du keine, kann das Studio den Beitrag nicht einfach anheben, sondern braucht deine Zustimmung. Steht eine drin, ist sie damit noch nicht automatisch wirksam. Klauseln, die dich unangemessen benachteiligen, halten vor Gericht oft nicht. Schau außerdem auf deine Kontoauszüge der letzten Monate und notiere dir, ab wann der höhere Betrag abgebucht wurde. Diese Zahl brauchst du gleich.
In dein Widerspruchsschreiben gehören vier Angaben: deine Mitgliedsnummer, der ursprünglich vereinbarte Beitrag, der Betrag, der jetzt abgebucht wird, und der Satz, dass du der Erhöhung widersprichst. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät, dabei die Rückzahlung des zu viel abgebuchten Betrags mit einer Frist von etwa 14 Tagen zu verlangen. Schreib dazu, dass du weitere Abbuchungen nur unter Vorbehalt der Rückforderung hinnimmst. Das erspart dir später die Diskussion, ob du freiwillig gezahlt hast.
Ein Sonderkündigungsrecht bekommst du durch eine Preiserhöhung nicht automatisch, anders als bei Handy- oder Stromverträgen. Es besteht, wenn dein Vertrag oder das Schreiben des Studios es dir einräumt. Hält das Studio trotz deines Widerspruchs an der höheren Forderung fest, kommt nach Einschätzung der Verbraucherzentrale zusätzlich eine außerordentliche Kündigung in Betracht.
Zu viel abgebucht? So holst du dir das Geld
Läuft dein Beitrag per SEPA-Lastschrift, hast du einen einfachen Hebel. Nach § 675x BGB kannst du eine Basislastschrift acht Wochen lang ohne Angabe von Gründen zurückholen lassen. Die Frist läuft für jede Abbuchung einzeln, ab dem Tag der Belastung. Das gilt für Lastschriften, die dein SEPA-Mandat deckt. Eine strittige Beitragserhöhung macht die Lastschrift nicht automatisch unautorisiert. Entscheidend ist, ob die Abbuchung von deinem gültigen Mandat gedeckt ist. Ist eine Lastschrift nicht autorisiert, etwa weil gar kein gültiges Mandat vorliegt, hast du grundsätzlich einen Erstattungsanspruch nach § 675u BGB. Informiere deine Bank dann unverzüglich, sobald du die Buchung entdeckst, spätestens aber 13 Monate nach der Belastung (§ 676b BGB).
Wichtig: Eine Rückgabe holt immer den ganzen Betrag zurück, eine Teilrückbuchung gibt es nicht. Überweise deshalb sofort den Beitrag, den du wirklich schuldest, von Hand an das Studio. Sonst stehst du selbst im Verzug und bekommst Mahnkosten aufgebrummt. Wem das zu umständlich ist, fordert die Differenz stattdessen direkt beim Studio zurück.
Unabhängig von der Rückbuchung über die Bank kannst du zu viel gezahlte Beiträge direkt vom Studio zurückfordern. Zeit hast du dafür, denn die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt nach § 195 BGB drei Jahre. Je früher du dich meldest, desto besser lässt sich aber nachvollziehen, was vereinbart war.
Ob die Erhöhung in deinem Fall wirksam ist, hängt an deinem konkreten Vertrag. Die Urteile stärken deine Position deutlich, eine Garantie sind sie nicht. Wenn dein Studio auf stur schaltet, bekommst du bei der Verbraucherzentrale in deinem Bundesland eine Einschätzung.

