Juwelen, Coins, Edelsteine: Was kostet das eigentlich in Euro?
Stand: 07.10.2026
Wer Candy Crush, Clash of Clans oder Minecraft spielt, kennt das: Bezahlt wird nicht in Euro, sondern in Juwelen, Goldbarren oder Münzen. Genau das nehmen sich jetzt die Verbraucherschutzbehörden der EU vor. Am 30. September 2026 haben sie, koordiniert von der EU-Kommission, eine gemeinsame Prüfung gegen neun Spielefirmen bekannt gegeben. Betroffen sind unter anderem die Hersteller von Candy Crush Saga, Minecraft, Clash of Clans und Valorant, dazu zwei deutsche Firmen: Crytek mit „Hunt: Showdown 1896″ und InnoGames mit „Forge of Empires“. Es geht dabei nicht nur um Handyspiele, sondern auch um Spiele für PC und Konsole.
Geprüft wird, ob die echten Kosten verschleiert werden, ob Spieler zu großen Käufen gedrängt werden, ob das Widerrufsrecht beachtet wird und ob Kinder ausreichend geschützt sind. Es geht um mögliche Verstöße. Festgestellt ist noch nichts, und wie lange das Verfahren dauert, ist offen.
Der Trick mit den Paketen
Spielwährung gibt es meist nur in festen Paketen. Ein ausgedachtes, aber typisches Beispiel: 500 Juwelen kosten 4,99 Euro. Das Schwert, das dein Kind will, kostet 350 Juwelen, also umgerechnet knapp 3,50 Euro. Übrig bleiben 150 Juwelen. Der nächste Gegenstand kostet 400, also muss wieder ein Paket her. In diesem Beispiel kaufst du jedes Mal mehr Spielwährung, als du brauchst. Steht kein Euro-Preis neben dem Gegenstand, musst du selbst rechnen.
Die EU-Verbraucherschützer haben schon im März 2025 Grundsätze veröffentlicht, wie sie das geltende Recht hier verstehen. Danach muss neben dem Juwelen-Preis auch der Preis in echtem Geld klar erkennbar sein. Pakete sollen nicht so zugeschnitten sein, dass du mehr Spielwährung kaufen musst, als du brauchst. Und Kinder dürfen nicht unter Druck gesetzt werden. Die Spielebranche sieht das teils anders und hält einige dieser Auslegungen für zu weitgehend.
Geld zurück? Das Widerrufsrecht
Auch bei Käufen im Spiel kann dir das 14-tägige Widerrufsrecht zustehen, allerdings nicht in jedem Fall. Nach den Grundsätzen der EU-Verbraucherschützer gilt es für gekaufte Spielwährung, die du noch nicht ausgegeben hast. Bei digitalen Inhalten kann das Widerrufsrecht unter bestimmten Voraussetzungen erlöschen. Dafür muss der Anbieter mit der Ausführung begonnen haben, und du musst dem sofortigen Start ausdrücklich zugestimmt und bestätigt haben, dass du dein Widerrufsrecht verlierst. Außerdem muss dir der Anbieter darüber eine Bestätigung geschickt haben, etwa per E-Mail. Willst du widerrufen, erkläre das nachweisbar gegenüber dem Anbieter und fordere dein Geld zurück.
Hat dein Kind eingekauft, kommt es auf die Umstände an. Kinder zwischen sieben und 17 Jahren brauchen für solche Käufe grundsätzlich die Zustimmung der Eltern. Bezahlt dein Kind aber mit Geld, das du ihm genau dafür oder zur freien Verfügung gegeben hast, kann der Kauf trotzdem gelten. Hat es ohne Erlaubnis über dein Konto und deine hinterlegte Karte eingekauft, kannst du die Forderung nach Einschätzung der Verbraucherzentrale in der Regel zurückweisen. Melde dich trotzdem möglichst schnell und sichere Kaufbestätigungen und Kontoauszüge. Ein Kauf wird nicht schon dadurch wirksam, dass du lange nicht reagierst. Es kommt aber unter anderem darauf an, ob du die Käufe wissentlich geduldet oder ihnen zugestimmt hast.
Bei Apple beantragst du eine Erstattung über die Seite „Problem melden“, bei Google Play über den Antrag auf Erstattung. Google nennt versehentliche Käufe durch Familienmitglieder ausdrücklich als Grund. Dokumentiere jede Abbuchung mit Datum und Betrag. Ein Antrag bei den Stores ersetzt nicht deine gesetzlichen Rechte gegenüber dem Anbieter.
So schützt du dich und deine Kinder
- iPhone und iPad: In den Einstellungen unter „Bildschirmzeit“ kannst du In-App-Käufe blockieren. Hat dein Kind einen eigenen Account in der Familienfreigabe, schalte die „Kaufanfrage“ ein. Dann musst du neue Käufe im App Store und in Apps vorher genehmigen.
- Android: Im Play Store unter „Zahlungen und Abos“ die Kaufbestätigung auf jedem Gerät deines Kindes für alle Käufe einschalten. Das ist keine echte Sperre. Achte darauf, dass dein Kind die Bestätigung nicht selbst geben kann, etwa mit seinem eigenen Fingerabdruck. Mehr Kontrolle bietet die Google-App Family Link.
- Budget statt Kreditkarte: Ein begrenztes Guthaben ist für Kinder sicherer als eine hinterlegte Karte. Entferne Zahlungsmittel, die im Konto nicht gebraucht werden.
- Umrechnen: Vor jedem Kauf den Paketpreis durch die Zahl der Juwelen teilen. Dann weißt du, was ein Gegenstand wirklich kostet.
Bis die Behörden etwas erreichen, kann es dauern, und wie das Verfahren ausgeht, ist offen. Die Einstellungen am Handy kannst du dagegen heute Abend ändern.

