Sanduhr oder offener Tiegel: Zwei Symbole, zwei verschiedene Aussagen
Im Badezimmerschrank steht bei den meisten Menschen mindestens eine Creme, bei der niemand mehr weiß, wann sie aufgemacht wurde. Weggeworfen wird sie trotzdem nicht, weil kein klares Datum draufsteht. Das liegt daran, dass Kosmetik nicht wie ein Joghurt gekennzeichnet wird.
Ist ein kosmetisches Mittel nicht länger als 30 Monate haltbar, muss ein Mindesthaltbarkeitsdatum drauf. Du erkennst es am Wortlaut „mindestens haltbar bis“ oder an einem kleinen Sanduhr-Symbol mit Monat und Jahr. Hält das Produkt länger als 30 Monate, ist dieses Datum nicht vorgeschrieben. Stattdessen steht dort das Symbol eines geöffneten Cremetiegels mit einer Zahl, zum Beispiel „12 M“. Das heißt: zwölf Monate ab dem Tag, an dem du es zum ersten Mal geöffnet hast.
Warum das Kaufdatum bei vielen Produkten nichts sagt
Beim Tiegelsymbol beginnt die Frist nicht beim Kauf und nicht bei der Herstellung, sondern beim Öffnen. Die Angabe „12 M“ beschreibt also die Verwendungsdauer danach. Wie lange du das Produkt vorher ungeöffnet lagern kannst, verrät sie dir nicht. Genau deshalb hilft dir die Zahl nur, wenn du weißt, wann du die Packung aufgemacht hast.
Notiere das Öffnungsdatum deshalb direkt auf der Packung, mit wasserfestem Stift auf dem Boden oder auf einem kleinen Aufkleber. Bei Produkten, die du selten benutzt, ist das der Unterschied zwischen einer brauchbaren Angabe und einer Zahl, mit der du nichts anfangen kannst.
Nicht jedes Produkt trägt ein Tiegelsymbol. Es entfällt, wenn die Haltbarkeit nach dem Öffnen für das Produkt keine Rolle spielt, zum Beispiel bei Einmalpackungen, die du sofort vollständig aufbrauchst, oder bei Spraydosen, die gar nicht geöffnet werden. Und wenn auf deiner Packung ein Mindesthaltbarkeitsdatum steht, verlängert das Öffnen dieses Datum nicht. Achte zusätzlich auf die Lagerhinweise des Herstellers.
Wo du besonders genau hinschauen solltest
Nicht alles verdirbt gleich schnell. ÖKO-TEST weist darauf hin, dass trockene Produkte wie Puder und stark fetthaltige wie Lippenstifte sehr lange nutzbar bleiben. Feuchte und flüssige Produkte wie Cremes und Seren verderben dagegen schneller, weil Wasser Keimen einen Nährboden bietet.
Besonders sorgfältig sein solltest du bei allem rund ums Auge. Bei Mascara wanderst du mit dem Bürstchen bei jeder Anwendung zwischen Wimpern und Tube hin und her und trägst dabei Keime ein. Eine Bindehautentzündung ist unangenehmer als eine neue Mascara zu kaufen. Wie lange Sonnencreme hält, hängt von ihrer Zusammensetzung und von der Lagerung ab. Auch hier ist die Angabe auf der Packung dein Maßstab – beim Inhaltsstoff Octocrylen wäre ich vorsichtig. Der kann sich bei längerer Lagerung in einen Stoff umwandeln, der in Verdacht steht, Krebs zu erregen.
Ändern sich Farbe, Geruch oder Konsistenz eines Produkts, gehört es in den Müll. Das ist ein brauchbares Warnsignal, aber es funktioniert nur in eine Richtung: Ein Produkt, das normal aussieht und normal riecht, ist damit nicht bewiesenermaßen in Ordnung. Eine Keimbelastung siehst du nicht.
Was das für deinen Schrank heißt
Geh die Sachen einmal durch und prüfe bei jedem Produkt die angegebene Verwendungsdauer. Kannst du bei Mascara, Creme oder anderer flüssiger Kosmetik nicht mehr einschätzen, ob die Frist überschritten ist, entsorge sie vorsichtshalber. Alles andere beschriftest du ab jetzt beim Öffnen mit dem Datum, dann stellt sich die Frage beim nächsten Mal nicht mehr.
Ein überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum. Es sagt, bis wann der Hersteller bei sachgemäßer Lagerung für Beschaffenheit und Wirkung geradesteht, und bedeutet nicht automatisch, dass du das Produkt wegwerfen musst. Umgekehrt ist ein unauffälliges Aussehen aber auch keine Garantie dafür, dass die Anwendung noch sicher ist.
Bild: envato

